Eine lose Textreihe mit Beobachtungen aus dem Hotelalltag.
Keine Ratgebertexte, keine Fallbeschreibungen –
sondern Annäherungen an Kontakt, Rolle und Menschsein.
Wenn Verantwortung den Raum wechselt
Es gibt Momente an der Rezeption, da liegt Verantwortung plötzlich auf dem Tresen.
Nicht offiziell. Nicht angekündigt. Einfach da.
Ein Gast steht vor mir.
Etwas passt nicht ganz. Die Buchung an sich ist korrekt, das Zimmer vorbereitet – und doch fehlt etwas.
Ein Wunsch, der nicht vermerkt wurde.
Eine Erwartung, die unterwegs entstanden ist.
Vielleicht auch nur ein inneres Bild davon, wie es sein sollte.
Niemand hat einen Fehler gemacht.
Und trotzdem ist da Spannung.
In solchen Momenten wandert Verantwortung.
Sie springt über Abteilungen hinweg, über Systeme, über Zuständigkeiten.
Und landet – für einen Augenblick – bei mir.
Nicht, weil ich sie mir nehme.
Sondern weil jemand vor mir steht und schaut:
Was machst du jetzt daraus?
Manchmal reicht ein Satz.
Manchmal ein Zuhören ohne Verteidigung.
Manchmal die klare Grenze: Das kann ich nicht lösen.
Und manchmal ein kleines Entgegenkommen, das größer wirkt, als es ist.
Was mich daran interessiert, ist nicht die Lösung.
Sondern der Moment davor.
Der Augenblick, in dem Verantwortung nicht mehr geregelt ist,
sondern Beziehung wird.
Kontakt.
Vielleicht ist das der eigentliche Raum, in dem Verantwortung entsteht:
nicht im System,
sondern zwischen zwei Menschen,
die sich für einen Moment wirklich sehen.
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